Feiern beim Fahren – Wenn Hochzeitkorsos die Grenzen überschreiten

Hochzeiten gelten für viele Paare als „schönster Tag im Leben“ und das sollte ausgiebig mit Freunden und Verwandten gefeiert werden. Doch manchmal bleibt es nicht bei der Zeremonie und einer ausgelassenen Party in geschlossener Gesellschaft. Allein in diesem Jahr habe ich unzählige Nachrichten gelesen, dass der Auto-Konvoi einer Hochzeitsgesellschaft den Straßenverkehr nicht nur beeinträchtigt, sondern regelrecht lahmgelegt hat. Dabei kam es zu Unfällen, bei denen andere Verkehrsteilnehmer gefährdet und auch verletzt wurden.

Im Februar 2019 blockierte beispielsweise ein türkischer Hochzeitskorso die Autobahn A3 bei Aschaffenburg, es fallen auch Schüsse. Im April ein ähnliches Schauspiel auf der A2 bei Hannover, Tage später bei Krefeld, dann auf der Bundesstraße 3 bei Burgdorf. Im Mai und Juni gab es Blockaden durch Korsos wieder auf der A3 und der A2, Schüsse und Verfolgungsgjagd mit der Polizei in Köln, Blockade der A40 in Bochum, der A45 bei Hagen. Die Polizei Nordrhein-Westfalen meldete Ende Juni 40 Einsätze innerhalb einer Woche wegen Hochzeitskorsos.
Im Juli verstopften Hochzeitsgesellschaften den Verkehr in Bielefeld und Köln, Unfall mit Verletzten in Waiblingen, Blockade der A95 bei München. Im August stoppte eine Spezialeinheit der Polizei einen Hochzeitskorso in Berlin und auf der A1 bei Hamburg gerät ein Korso nach Medienberichten „außer Kontrolle“.

Oft sind es türkische Hochzeitsgesellschaften, die mit Autos und manchmal auch Schreckschusswaffen in Städten und auf Autobahnen Aufsehen erregen. Für Experten handelte es sich in den meisten Fällen um einen traditionellen Ursprung. In der Türkei feiere man größer. Je mehr Menschen dabei sind, umso größer das Netzwerk, das für Ansehen und einen hohen gesellschaftlichen Status steht. Ähnlich verhält es sich mit Autos. Die Fahrt in der Kolonne und auch die Schüsse sollen Aufmerksamkeit erzeugen, so hatte man auch traditionell auf die Hochzeit aufmerksam gemacht. Das Aufhalten des Korsos gehöre ebenfalls zu einer überlieferten Geste.

In den meisten dieser Fälle war aber klar eine Grenze überschritten und zwar an dem Punkt, an dem andere Menschen genötigt oder gefährdet werden. Wenn auf einer Autobahn der Verkehr gestoppt wird, haben wir es mit einer hochriskanten Situation zu tun. Schon allein durch die hohen Geschwindigkeiten kann es zu schweren Auffahrunfällen kommen. Auch Blockaden in Städten, Behinderung und Gefährdung von anderen Verkehrsteilnehmern ist unverantwortlich. Eine Feierlaune oder eine sogenannte Traditionskultur rechtfertigt in keiner Weise solch ein Verhalten und auch unsere Rechtssystem kennt hier keine Ausnahmen. In den meisten schweren Fällen, von denen ich erfahren habe, handelt es ich um eine Straftat, nämlich einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und/oder Straßenverkehrsgefährdung und/oder Nötigung im Straßenverkehr.

Wir sollten dafür stehen, unser Leben in traditionellem Rahmen gestalten zu dürfen, so auch unsere Feste. Aber wir stehen auch für Respekt und Rücksicht gegenüber unseren Mitmenschen. Wir dürfen nicht zulassen, dass dabei Grenzen überschritten werden. Deshalb müssen polizeiliche Maßnahmen die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen sicherstellen – der Entzug des Führerscheins ist ein gebotenes und wirksames Mittel, um solche Grenzüberschreitungen zu sanktionieren und künftigen vorzubeugen. Gleichzeitig ist der interkulturelle Dialog hilfreich, um solche Fehlentwicklungen, wie oben beschrieben, zu verhindern. Ich bin mir sicher, dass hier immer auch ein zufriedenstellender Kompromiss zu erreichen ist. Es braucht dafür Offenheit von allen.

IHR ANSPRECHPARTNER

Heiner Sothmann
Heiner Sothmann
Pressesprecher
presse@dvw-ev.de

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