Digitale Chancen in der Verkehrssicherheitsarbeit

In diesem Jahr fand der Tag der Verkehrssicherheit ohne „echte“ Veranstaltungen statt. Es wurde schnell entschieden, den Aktionstag in die Online-Welt zu verlagern. „1000 sichere Wünsche“ hieß das Motto und auch ich beteiligte mich mit meinem Wunsch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Das Ganze sollte dann digital verbreitet werden.

Aber passt denn so ein abstraktes Format in unseren Alltag? Wir treten mit Menschen in Kontakt, bringen ihnen die Regeln nahe und trainieren mit ihnen die sichere Mobilität. Wir helfen Kindern bei den ersten sicheren Wegen und machen Angebote für alle Alters- und Mobilitätsgruppen. Wir  brauchen  dabei den direkten Austausch, das funktioniert digital nicht in gleichem Maße. Aber digitale Angebote sind trotzdem hilfreich.

Ich erinnere mich noch an den „Tag der Verkehrssicherheit“ im letzten Jahr. Die DVW hatte eine Online-Kampagne gestartet, um auf die Gefahren von Handys am Steuer hinzuweisen (#CRASHTAG). Adressiert wurde vorrangig junges Publikum auf Social-Media-Plattformen. Dafür war die Unterstützung der Verkehrswachten nötig, die sich zahlreich beteiligt hatten. Mit der Kampagne haben wir ohne persönlichen direkten Kontakt eine relevante Zielgruppe sehr gut erreichen können und unsere Botschaften verbreitet.

Die Beschränkungen der Corona-Pandemie haben uns gezeigt, dass wir nicht immer vor Ort sein können, auch wenn es nötig wäre. Da Veranstaltungen untersagt und öffentliche Einrichtungen wie Kitas und Schulen weitgehend geschlossen waren, kam unsere klassische Präventionsarbeit zum Stillstand, auch die so wichtige Verkehrserziehung. Wir waren gezwungen, nach Alternativen zu suchen und über einen „Notbetrieb“ nachzudenken, denn nicht nur Verkehrserziehung musste gewährleistet werden.

Also haben wir theoretische Inhalte aufbereiten und unter anderem eine Social-Media-Serie für Kita- und Grundschulkinder umgesetzt, die von den Verkehrswachten online unterstützt wurde. Die VMS hat temporär ihr erfolgreiches Lernportal für die Radfahrausbildung kostenlos angeboten und um einen Elternratgeber erweitert, der Tipps für praktische Übungen zuhause gab. Übrigens von den Eltern gerne wahrgenommen, um die teils beengte Situation aufzulockern.

Auch viele Verkehrswachten waren nicht untätig, haben e-Learning-Projekte gestartet, Videos produziert oder Online-Shops mit digitalen Angeboten angepasst. Wir haben vermehrt Videokonferenzen abgehalten, um uns weiterhin direkt austauschen zu können. Es wurde viel in den sozialen Netzwerken kommuniziert, Themen aufbereitet, Verkehrsteilnehmer informiert usw. Die Verkehrswachten haben mich mit ihren kreativen digitalen Angebote positiv überrascht, lebendig in jeder Situation.

Auch der Bedarf nach digitalen Alternativen war groß und ich denke, dass wir perspektivisch diese Angebote stärker entwickeln werden, um unsere Arbeit zu ergänzen. Wir haben wichtige Botschaften, es gibt Verhaltensregeln und Tipps, die wir auch digital weitergeben können. Trotzdem wird kein Online-Angebot die Verkehrswachtarbeit direkt vor Ort ersetzen können, denn Straßenverkehr ist nun Mal nicht digital. Keine Internet-Plattform unterstützt bei unseren Kindern spielerisch die Koordinationsfähigkeit oder Feinmotorik, trainiert den Schulweg oder hilft beim Radfahren lernen. Keine Webseite kann das Erlebnis eines Rauschbrillenparcours oder Überschlagsimulators näherbringen und schon gar nicht das persönliche Gespräch von Mensch zu Mensch. Auch Pedelec-Kurse mit praktischen Anleitungen können nicht online stattfinden. Sicherheit zu vermitteln im direkten Kontakt ist unsere Aufgabe, die wir digital ergänzen.

IHR ANSPRECHPARTNER

Prof. Kurt Bodewig
praesident@verkehrswacht.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Tag der Verkehrssicherheit: – DVW-Präsident wünscht sich ergänzende digitale Lernangebote

Gemeinsam aus der Krise

Elektrokleinstfahrzeuge – Herausforderung für die Verkehrssicherheitsarbeit

Logo der Deutschen Verkehrswacht Schirmherschaft: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur